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Wussten Sie schon, dass ...
... eine der ältesten oder vielleicht sogar die älteste Zahnprothese im deutschen Raum in Göppingen gefunden wurde?
Als 1980 bis 1983 der Innenraum der Oberhofenkirche renoviert und eine Fußbodenheizung eingebaut wurde, war mit letzterer Maßnahme eine archäologische Untersuchung der unter dem Fußboden liegenden historischen Schichten verbunden. Unter der Vielzahl der Funde und Befunde erregte einer besondere Aufmerksamkeit: eine fein und passgenau geschnitzte Zahnprothese. Als Ersatz für vier fehlende Schneidezähne wurde diese Prothese aus Flusspferdzahn gefertigt und mit Golddraht im Kiefer des Patienten befestigt. Vergleiche mit anderen Funden sprechen dafür, dass die Prothese im 15. oder 16. Jahrhundert hergestellt worden ist. Allerdings sticht der Göppinger Fund unter den wenigen Vergleichsstücken aufgrund seiner perfekten ästhetischen und technischen Ausführung heraus. Bei allen Unsicherheiten der Datierung handelt es sich bei dem sensationellen Göppinger Fund um eine der ältesten, vielleicht sogar die älteste Zahnbrücke im deutschen Raum.
... das Papiertaschentuch 1894 in Göppingen erfunden wurde?
Dass die Erfindung des siegreichen Papiertaschentuchs in Göppingen stattfand, ist kaum bekannt. Am 14. August 1894 wurde unter der Patentnummer 81094 der Göppinger Papierfabrik G. Krum in der Großeislinger Straße das „Taschentuch aus Papier“ patentiert, das „nach einmaligem Gebrauch zerstört, verbrannt oder sonst wie unschädlich gemacht“ werden sollte.
Der Papierfabrikant Gottlob Krum sah die Vorteile eines Taschentuchs für den einmaligen Gebrauch vor allem in der Verbesserung der Hygiene. So sollte die Übertragung von Bakterien und ansteckenden Krankheiten verhindert werden. Die Göppinger Idee trat allerdings erst über drei Jahrzehnte später unter dem Markennamen „Tempo“ in Nürnberg ihren Siegeszug an - heute benutzen nicht einmal mehr zehn Prozent das elegante Stofftaschentuch, das seinem Namen wenigstens entspricht. Die Aufforderung, einen einmal benutzten Gegenstand gleich wieder wegzuwerfen, war wohl 1894 mit gelebter schwäbischer Sparsamkeit kaum vereinbar und damit der Misserfolg der Marktneuheit besiegelt.
... 1904 in Göppingen das Haus Geislinger Straße 35 in die Luft gehoben wurde?
Der Glaube an Technik und Fortschritt kann Berge versetzen. 1904 wurde in Göppingen zwar kein Berg, aber das Haus des Schmiedemeisters Böhler an der Ecke Markt- / Geislinger Straße (heute Bäckerei Kamps) um einige Meter in die Höhe gehievt. Dem Schmied war das Haus zu klein geworden. So beauftragte er Erasmus Rückgauer aus Stuttgart, ein im Häuserversetzen und -anheben erfahrener Baumeister. Das Haus wurde unter den Augen der Göppinger Bevölkerung mit Hilfe von Winden um 3,80 m emporgehoben. Somit war darunter Platz für ein neues Erdgeschoss entstanden. Stahlstützen tragen bis heute das dreistöckige, ursprünglich aber nur zweistöckige Gebäude. In Göppingen ist die spektakuläre Methode erfolgreich angewandt worden. 1906 stürzte in Nagold ein Gasthaus während des Hebeprozesses ein und begrub einige Dutzend Menschen in den Trümmern.
Aus: Göppinger Geschichten ? Von Menschen, Ereignissen und Bauwerken. Göppingen 2005
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